Wundertüte Springer-Meeting – warum der Wettkampf in diesem Jahr so spannend ist

Sich auf Favoriten beim Internationalen Springer-Meeting festzulegen, ist in diesem Jahr besonders schwer. Bei einem der ersten Meetings der Saison ist es ohnehin immer schwer, Leistungen vorauszusagen. Und was macht einen Athleten überhaupt zum Favoriten? Ein internationaler Titel, eine tolle persönliche Bestleistung, konstant gute Leistungen im Vorjahr? Der Versuch einer Analyse zeigt das Für und Wider und viele Fragezeichen – aber gerade das macht den Wettkampf ja so spannend.

Wer wird in diesem Jahr im Goldregen von Cottbus ganz oben stehen?

Im Hochsprung der Damen scheint die Sache auf den ersten Blick klar: Ruth Beitia, Olympiasiegern von 2016, wird doch wohl das Rennen machen. Aber mit 37 Jahren ist die Spanierin die älteste Athletin, die diesen Wettbewerb jemals gewinnen konnte. Wie lange kann sie auf diesem Niveau noch mithalten? Vor einigen Tagen ist sie mit 1,95m in die Hallensaison gestartet – eine beachtliche Leistung so zeitig im Jahr. Alle anderen Teilnehmerinnen des Cottbuser Hochsprungs haben in diesem Jahr noch keinen Wettbewerb bestritten.

Airinė Palšytė (24) hat 2016 sowohl das Cottbuser Springer-Meeting als auch die Silbermedaille bei der Europameisterschaft gewonnen. Bei den Olympischen Spielen kam sie hingegen überhaupt nicht in den Wettbewerb. Die Litauerin arbeitet hart an ihrem großen Ziel: die zwei Meter zu überwinden. Sie fühlt sich wohl in Cottbus und sagt: „Das ist irgendwie ein magischer Ort für mich.“ Also eigentlich genau der richtige Ort für die zwei Meter?!

Marie-Laurence Jungfleisch (26) hat sie im vorigen Jahr geschafft, die magischen zwei Meter. Damit stand sie am Ende des Jahres auf Platz zwei der Weltrangliste. Da sie ja nun weiß, wie es geht, könnte sie in Cottbus nahtlos an diese Leistung anknüpfen.

Im Stabhochsprung der Männer sind gleich drei Athleten am Start, die einen Weltmeistertitel in der Tasche haben: Raphael Holzdeppe (27), Weltmeister von 2013, Kostas Filippidis (30), Hallen-Weltmeister von 2014, und Shawn Barber (22), Weltmeister von 2015. Doch keiner von ihnen hat im vorigen Jahr vollends überzeugt. Raphael Holzdeppe hat eine längere Wettkampfpause nach einer Verletzung hinter sich.
Und dann ist da noch Malte Mohr (30), hinter dessen Namen die meisten Fragezeichen stehen. Seine persönliche Bestleistung in der Halle steht bei beachtlichen 5,90m – allerdings aus dem Jahr 2014. Er hat zwei deprimierende Jahre hinter sich, in denen ihm nichts gelingen wollte. Nun hat er das Umfeld und den Trainer gewechselt und wird von Michael Kühnke betreut. Der einstige Trainer von Björn Otto gibt ihm die nötige Leichtigkeit und nimmt ihm den Druck, wie Malte Mohr selbst sagt. Und da sein Trainer gebürtiger Gubener ist, wäre ein Neustart in der Lausitz doch geradezu perfekt.

Den besten Saisonstart aller Springer-Meeting-Teilnehmer hat der Grieche Kostas Filippidis  hingelegt. Er gewann das Meeting im französischen Orleans mit 5,73m. Die anderen Athleten folgen erst mit einigem Abstand: Raphael Holzdeppe sprang 5,58 Metern im saarländischen Merzig, Malte Mohr 5,50m in Leverkusen, Piotr Lisek (24) 5,43m ebenfalls in Merzig, Shawn Barber 5,35 m bei einem Meeting in den USA.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Alle Athleten des diesjährigen Springer-Meetings sind mit ihren persönlichen Bestleistungen und internationalen Erfolgen hier zu finden.